Abenteuer Reisen I

Falls jemand auf die Idee kommen sollte, als Ausrede für eine Sightseeing Tour den Verlust des Reisepasses geltend zu machen, ist Lissabon ein geeigneter Ort.

Diese Stadt hat Flair, viele kulturell und architektonisch besondere Gebäude, freundliche Einwohner, mulitkulturell und wenig aggressiv. Der Port Wein schmeckt auch sehr lecker, genießt man ihn auf einer Restaurant Terasse. Bemerkenswert aber auch, dass der Preis vom Flughafen in die Innenstadt, z.B. zur Deutschen Botschaft doppelt so hoch ist, wie der Preis von der Innnenstadt zum Flughafen, z.B. von der Deutschen Botschaft. Sind aber auch jedesmal nur 10/20€. Also keine richtigen Taxihaie.

Neben dem unzweifelhaften Mehrwert wenigstens mal ein Spotlight auf Lissabon geworfen zu haben, winkt noch ein für ein Jahr gültiger temporärer Reisepass (sehr grün – Hinweis auf künftige Regierungskoalitionen?). Die Mitarbeiter der Botschaft sind sehr kompetent und hilfsbereit und in der Lage in 3,5 Stunden diesen temporären Reisepass auszustellen. Inklusive Fotoroboter in der Botschaft, der erklärt, was man machen muss. Ich bin da noch vollkommen hin und weg. Top der Service.

Was wiederum TAP Airline die Möglichkeit einräumt den Flug umzubuchen, das Gepäck umzuleiten, die Nerven der Lost-and-Found Office Mitarbeiter am Lissaboner Flughafen schont, dass ständige Nachfragen in Hinsicht auf eventuell gefundene Reisepässe von Flügen durch haarlimitierte ältere Herren aus Frankfurt ausbleiben.

Das ist im übrigen wohl übernommen von der Agentur für Arbeit in Deutschland. Erst mal ein Ticket ziehen und warten. Deutsche Hegemonie, wohin man auch schaut.

Und zudem kann das Statement der portugiesischen Repräsentanz der Polizei – bei der man eine Verlustmeldung am Lissaboner Flughafen machen muss – wiederlegt werden, dass dies in einem Tag unmöglich zu erledigen ist. Das hat dann wohl der Fotoroboter erledigt. Blicken Sie zwischen diese beiden Linien…….

Nicht wirklich zu empfehlen, wenn man eine entspannte Reise nach Südamerika plant, kommt aber vor, habe ich mir sagen lassen.

Es bleibt dann eigentlich nichts weiter übrig, als am Lissaboner Flughafen abzuhängen, bis dann der Flug statt um 10:00 um 23:05 startet.

TAP Umbuchung – mit Business Class kein Problem, es gibt sogar einen eigenen Counter und man muss kein Ticket ziehen und warten
Das universelle Aquarium für Raucher an internationalen Flughäfen. Nicht charmant, einfach nur eine Drogenstelle.

TAP Airline ist aber in der Businessklasse duchaus zu empfehlen, günstige Preise, sehr kundenortientiert, man kann seinen Sitz komplett in die Waagerechte stellen und mit Kissen und Decke ein paar Stunden schlafen. Das Essen haut allerdings nicht vom Hocker. Trotz aller Marketingspots ist das halt aufgewärmt, ohne wirklich viel Geschmack. Trinken kann man bis zum abwinken, und muss es auch, da ansonsten die Flugbegleiter kontinuierlich nachschenken. Und portugiesischer Rotwein ist lecker, keine Frage. Lustige bunte Socken bekommt man für die Nacht ebenso, wie eine Zahnbürste und einen für mich natürlich unentbehrlichen Kamm.

Man schlägt dann morgens umd kurz nach 6 am internationalen Flughafen in Rio de Janeiro auf. Wer große Flughäfen kennt, der weiß, es kann lange dauern vom Flugzeug bis zur Gepäckausgabe. Rio ist da in der Oberliga. Ca. 30 Minuten.

Die Lady beim Empfang von Menschen, die nicht aus Brasilien kommen und der die Pflicht auferlegt ist, Menschen anderer Herkunft den Zugang ins Land von Zuckerhut und Strand zu gewähren, ist dann sichtlich amüsiert über das komische grüne Dokument mit dem Bundesadler und winkt einen aber dann lediglich mit einem nonchalanten Lächeln begleitet, einfach durch. Scheint wohl nicht selten zu sein.

Endlich in Südamerika. Ein Traum seit ein paar Jahren. Direkt nach der Zollabfertigung befinden sich die Gepäckbänder, da gibt es auch die Möglichkeit Taxi zur Unterkunft für einem Festpreis zu buchen. Sehr zu empfehlen, da nach der Gepäckabfertigung am Ausgang geschätfstüchtige Einheimische warten, die einen für einen nur schwer zu kalkulierenden Preis ihre Transportpotenziale anpreisen.

Kommt man wie ich gegen 7 Uhr morgens aus dem Terminal, kommt was? Was würde in München, Paris, Madrid,Suttgart kommen – Bretzelverkäufer? Eher nicht. Richtig, Rush Hour. Es dauert dann etwas 1,5 Stunden für 35 Kilometer vom Flughafen an die Copacabana. Auf den Schnellstraßen gibt es allerdings die lokale Variante der „Straßenhändler“. Leute, die auf einer vierspurigen Bundesautobahn in aller Ruhe, Zeitungen, Saft, Handtücher anbieten. Verkehr ruht sowieso, da bietet sich das doch an. Amazon hat ja auch mal klein angefangen. Vielleicht habe ich den nächsten Superreichen auch meiner Fahrt zu Copacabana getroffen. Ich drücke auf alle Fälle die Daumen, für diejeniegen, dort im Verkehr arbeiten. Das muss ein irrer Job sein.

Im Apartmenthaus in Copacabana muss man dann leider feststellen, dass Englisch, sogar Spanisch, nicht unbedingt geeignete Kommunikationsmittel sind. Erst der Nachweis des WhatsApp Verlaufs mit dem Vermitter, mehr oder weniger hilfreiche Kollegen, die wahlweise den Kopf schütteln oder über die letzten Fußballergebnisse auf Portugiesisch diskutieren wollen, führen zum Zugang zum Apartment. Einem Penthausapartment an der Copacbana. Und das ist jeden Euro wert.

Falls man dank Fotoroboter, Deutscher Botschaft, TAP, Taixifahrer die einen auch ohne jegliche Sprachkenntnisse der Landessprache auf Sehenswürdigkeiten hinweisen, ohne Nervenzusammenbruch dann irgendwie morgens um 8:00 wochentags in Rio de Janeiro an der Copabana ankommt, weiß man, man ist auserwählt. Wofür muss sich allerdings noch erweisen.

Noch im Jet Lag, noch hypnotisiert von seinem exklusivem extrem grünen neuen Reisepass der Deutschen Botschaft in Lissabon. Versuche das sagenumwobene brasilanische Lebensgefühl einzufordern und Samba, Rumba oder ähnlich exotische Tänze zu erwarten, Cocktails, dunkelhäutige Schönheiten, die sich um einen Gringo bemühen – > Fehlanzeige um diese Uhrzeit. Entsprechende Nachfragen würden wohl nur die allgegenwärtigen Sicherheitsbeamten interessieren und ansonsten auf den übermässigen Gebrauch halluizinogener Drogen schließen lassen.

Schafft man es, den Einheimischen ein Statement abzuringen, was schwierig ist, sollte man glücklich sein. Englisch ist nur wenig verbreitet und Spanisch scheint von den Locals für das Symptom einer besondere Form eines Lungenkarzinoms gehalten zu werden. Dann kann man aber erfahren, dass es in Nebengassen die Möglichkeit gibt legal bewußtseinserweiternde Drogen zu erwerben.

Es gibt dort Kaffee, tatsächlich, ganz legal, auf offener Straße.

In einer dieser Nebengassen habe ich dann Will aus Texas getroffen. Er lebt seit 6 Jahren in Brasilien mit seiner Frau und zwei Kindern. Er ist mir in höchster Not zusammen mit dem Betreiber einer kleinen Bar beigestanden, als ein sonnenbebräunter älterer Herr mit Fußballtrikot und kurzen Hosen an meinem Tisch in besagter kleinen Bar erschienen ist.

Meine Vermutung, dass besagter Herr betrunken ist/war und eine Zigarette schnorren wollte, ließ sich durch die Beteiligten dahingehend klären, dass es sich um einen Anwärter für den Nobelpreis für Atomphysik handelt, der mir erklären wollte, wie das norwegische Königshaus Einfluss auf die Nobelpreisvergabe nimmt. Puh, noch einmal Glück gehabt.

Will ist nett, 44 Jahre, er hat zwei Kinder, Junge, 4 Jahre alt, Mädchen 6 Jahre alt. Verheiratet mit einer Brasilianerin. AusTexas. Ohne Waffe unterwegs, die er auch auf meine Nachfrage hin auf gar nicht vermissen würde. Sachen gibt’s! Er hat mit dann von dem letzten Geburtstag seines Sohns berichtet. 90 Menschen, groß und klein. 40 Kumpels von seinem Sohn, 40 Kumpels von seiner Tochter, und ein wenig Beiprogramm. Das hätte er in 44 Jahren nie erlebt. Vielleicht machen wir doch was falsch…….

Dann war Klimaschutz angesagt. Nach 3 Grad in Deutschland und 28 Grad in Rio hat es mir doch so langsam die obere Gesichtshälfte versengt. Ich konnte, aus welchen Gründen auch immer, den Avancen diverser Staßenhändler wiederstehen, mir eine Cap des Modell der Weltmeisterschaft in Brasilien zu einem sagenhaft günstigen Preis in mein Eigentum zu überführen. Ich habe – typisch deutsch – eine etwas schlichtere Variante gewählt (Fotoroboter Lissabon -schaue zwischen diese beiden Linen?).

Dann bin ich noch in den örtlichen Kreis von Honoratioren hineingeraten, von denen einer einen Großvater aus Deutschland hatte. Vermutlich Angehörige der örtlichen Drogenmafia, wenn auch schon älter als 50. Wie haben dann als vertrauensbildende Maßnahme (Danke Sascha!) gegeneinander unsere unanständigsten WhatsApp PornoTrailer gezeigt. Ständig sollte ich örtliche Brauereiergebnisse konsumieren. Als Strafe habe ich heimlich die Rechnung für alle bezahlt. Da darf ich mich glaube ich nicht mehr sehen lassen

Ich gehe jetzt gleich erst mal an den Strand. Auch wenn es hier gleich wohl kurz mal schüttet. Fotos folgen.

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